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das Schloß in Österreich
Diese Ballade ist seit dem 16. Jh. bekannt. 1842 schrieb Ludwig Erk (06.01.1807 - 25.11.1883) die Melodie auf. Wer traut sich heute noch etwas gegen die Obrigkeit zu unternehmen?

das Schloß in Österreich

Es liegt ein Schloß in Österreich,
Das ist gar wohl erbauet
Von Silber und von rotem Gold,
Mit Marmelstein gemauert.

Darinnen liegt ein junger Knab'
Auf seinen Hals gefangen
Wohl vierzig Klafter tief unter der Erd'
Bei Nattern und bei Schlangen.

Sein Vater kam von Rosenberg
Wohl vor den Turm gegangen:
"Ach Sohne, lieber Sohne mein,
Wie hart liegst du gefangen!"

Sein Vater zu dem Herren ging:
"Gebt los mir den Gefangnen!
Dreihundert Gulden will ich euch
Wohl für den Knaben geben."

"Dreihundert Gulden, die helfen nicht,
Der Knabe, der muß sterben.
Er trägt von Gold eine Kette am Hals,
Die bringt ihn um sein Leben."

"Trägt er von Gold eine Kette am Hals,
Die hat er nicht gestohlen,
Die hat ihm eine zarte Jungfrau verehrt,
Sich mit ihm zu verloben."

Man bracht den Knaben wohl aus dem Turm,
Gab ihm das Sakramente:
"Hilf, reicher Christ vom Himmel hoch!
Es geht mir an mein Ende."

Sein Vater beim Gerichte stand,
Sein Herz wollt ihm zerbrechen:
"Ach Sohne, liebster Sohne mein,
Dein' Tod will ich schon rächen!"

Es stand kaum an ein halbes Jahr,
Der Tod, der ward gerochen:
Es wurden mehr denn dreihundert Mann
Von 's Knaben wegen erstochen.

Wer ist, der uns dies Liedlein sang,
So frei gesungen hat?
Das haben getan drei Jungfräulein
Zu Wien wohl in der Stadt.
Boden