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Gallitziberg-Lied
Dieses Wienerlied stammt aus der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Rosmarie Siegl aus Wien hat mich auf das Fehlen der letzten Strophe hingewiesen, die ich somit nachgetragen habe (04.07.12).

Gallitziberg-Lied

Neulich denk ich mir, lasst dich rasiern
Und gehst dann a bisserl spaziern,
Und daß du ka Geld gibst net aus,
So gehst am Gallitziberg h'naus.

Und wia i am Gallitziberg kumm
Und schau mi a wengerl so um,
Da siech i ganz still und ganz g'ham
A Voglnest ob'n auf an Bam.

I kraxel am Bam schnell hinauf,
Will nehma das Vogelnest aus,
Und wia i so krall hin und her,
War 's Vogelnest oben ganz leer.

Und wie i am Bam obnat sitz,
Von Aufikralln fürchterlich schwitz,
Kommt a Lieb'spaar versunken im Traum,
Und setzt si grad unter mein Baum.

Na, i auf 'n Bam bin ganz still
Und denk, was der Liebhaber will?
Er sagt: "Ach, ich hab dich so gern,
Und du sollst mein Weiberl bald wern!"

Er nimmt sie ganz zart bei der Hand
Und sagt ihr ins Ohr allerhand.
Sie sagt: "I tat die Bitt dir gewährn,
Doch wer wird unsre Kinder ernährn?"

"Ach, Bertha, ich bin doch ein Christ,
Und da du von dem Glauben auch bist,
Drum wend ma uns drobn an den Herrn,
Der wird unsre Kinder ernährn!"

I schrei glei hinunter vom Bam:
"Bagasche, gehts no net bald ham,
Wann i abikumm, zag i euch an Herrn,
Der wird eure Kinder ernährn!"

Des Liabspoa voa Schreck'n verstummt,
Hot glaubt, daß der Herrgott scho kummt,
Es läuft über Stock und über Strauch,
Und i hoit ma voa Loch'n den Bauch.
Boden