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der Text, oder die Weise?

Ist das Lied der Text, oder die Weise? Denn oft gibt es zu einer Weise verschiedene Texte. Zur Melodie von „Hänschen klein“ gibt es auch den Text „alles neu, macht der Mai“. Winter, ade“ existiert auch in der Version „Liebchen, ade“. Nun kann man auf zwei Arten reagieren, indem man entweder sagt, der Text ist das Lied, oder indem man einen vermuteten Urtext bzw. Haupttext zur Weise nimmt. Demnach wäre „Liebchen, ade“ „Winter, ade“ mit dem Text „Liebchen, ade“. Das kommt allerdings nicht in Betracht, da man sich hierbei niemals einig werden wird.

Folglich gibt es eben verschiedene Lieder mit derselben Weise und der Text ist das Lied.

Andererseits gibt es auch fast identische Texte mit verschiedenen Melodien. Das Lied „es wollt ein Mägdlein früh aufstehn“ ist mir in drei melodischen Varianten bekannt. Sind das nun verschiedene Lieder? Mein gesunder Menschenverstand sagt ja! Wenn aber, wie eben festgestellt, der Text das Lied ist, gibt es nur ein „es wollt ein Mägdlein früh aufstehn“ in drei melodischen Varianten. Ungern sehe ich mich gezwungen mich dieser Sicht anzuschließen.

Folglich gibt es auch ein Lied mit unterschiedlichen Weisen und wieder ist der Text das Lied.

Wenn es nun aber um die Urheberschaft eines Liedes geht, ist für mich die Weise ausschlaggebend, da bei einem Lied für den Musikliebhaber die Melodie im Vordergrund stehen sollte. Dabei muss man auch immer an geeigneter Stelle erwähnen, wer den Text geschrieben hat.

Auf unsrer Wiese gehet was“ ist eine mündlich überlieferte Volksweise mit einem Text von Heinrich Hoffmann von Fallersleben und nicht ein Lied von Heinrich Hoffmann von Fallersleben.

Das mag eine etwas eigenwillige Art der Betrachtung sein. Aber wer würde denn andererseits sagen, dass die Lorelei ein Volkslied von Heinrich Heine ist!?

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